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Evangelische Stadtkirchengemeinde Remscheid
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Das Glockenspiel an der Stadtkirche

Klangbeispiel Glockenspiel als MP3-Datei herunterladen (2,8 MB)

Der Wunsch einiger Gemeindemitglieder, ein Glockenspiel in der Haube der Evangelischen Stadtkirche am Markt zu installieren, ist über 10 Jahre alt. Allerdings sah sich zu dieser Zeit die Gemeindeleitung nicht in der Lage, ein solches Projekt zu realisieren. Doch im Mai 2005 beschloss das Presbyterium trotz fehlender Finanzmittel, ein Glockenspiel für ihre Stadtkirche anzuschaffen.

Die Gesamtkosten für das Projekt beliefen sich ursprünglich auf 46.000 €. Inzwischen hat sich die Investitionssumme mehr als verdoppelt. Aus Eigenmitteln konnte die Evangelische Stadtkirchengemeinde 6.000 € bereitstellen. Die übrigen Gelder mussten im Rahmen eines konzeptionellen Fundraisingprojektes durch Spender und Sponsoren erwirtschaftet werden. Frau Oberbürgermeisterin Beate Wilding übernahm die Schirmherrschaft für dieses Projekt. Denn mit einem von außen sichtbaren und bespielbaren Glockenspiel in der Haube der Evangelischen Stadtkirche wollte das Presbyterium gemeinsam mit der Stadt Remscheid den Alten Markt im Zentrum Remscheids attraktiver gestalten und das kirchenmusikalische Angebot der Remscheider Citykirche erweitern.

Die erste Glocke des Spiels wurde beim 11. Ökumenischen Gemeindefest am 26. Juni 2005 von den ökumenischen Partnern erwirtschaftet. 23 weitere Glocken folgten. Zwischenzeitlich musste das Konzept des Glockenspieles aus musikalischen Gründen noch einmal überarbeitet werden. Fachleute der Rheinischen Landeskirche, Ingenieure und Glockengießer wurden hinzugezogen und entwarfen ein innovativeres Musikinstrument, nun bestehend aus 24 neuen und drei alten Kirchenglocken. Alle 27 Glocken wurden mit einer neuartigen Anschlagtechnik ausgestattet. Sie ermöglicht es die Glocken im Millisekundenbereich hart und weich anzuschlagen. Es entstand eine Weltneuheit mit modernster digitaler Steuerungstechnik und Lichtleiterkabeln.

Im Februar 2008 hat das Presbyterium eine Läuteordnung für das Glockenspiel beschlossen. Seitdem erklingt das Remscheider Glockenspiel mit wechselnden Chorälen und Volksliedern dreimal täglich um 11.01 Uhr, 13.01 Uhr und 17.01 Uhr sowie zu besonderen Gelegenheiten.

Eine erste Glocken-CD mit Melodien des Kirchenjahres und passenden Volksliedern (z.B. Bergisches Heimatlied) auf dem Glockenspiel sowie Orgelchorälen von J.S. Bach auf der Beckerath-Orgel der Stadtkirche, ist im November 2010 produziert worden und kann für 9,90 € bei der Verwaltung der Evangelischen Stadtkirchengemeinde erworben werden.

Der Glocken Mahnung
Es rufen Kirchenglocken
mahnen, läuten zum Gebet
ist - wie heimlich locken
Gottes Wort -
berauscht als Klang erlebt!
Der Glocke mahnend Rufen
dringt in Herz und Ohr
große Gefühle schufen
es steht Hoffnung uns bevor!
Der Glocken feierlicher Klang
ist der Balsam für die Seele
der Gemeinde innig Lobgesang
erschallt aus übervoller Kehle!
Es mahnt der Glocken Klang
stets an unsere große Pflicht
vergesst beim Kirchengang
euren armen Mitmenschen nicht!
Unter dem Geläut der Glocken
verlassen wir der Kirche Raum
Herzen, die da frohlocken
fest auf Gottes Wort vertrau'n!

Max Walter Hartkopf
Wermelskirchen, Dezember 2006

zum Einläuten des neuen Glockenspiels an der Remscheider Stadtkirche

Töne, Aufschriften und Gewichte des Glockenspiels
a 2 Arbeitslosenglocke - Inge & Zeit & Team & EWR GmbH 76 kg
a 3 Laudate dominum omnes gentes 24 kg
ais 3 Fuer Martina Kurre – Duesseldorf 21,5 kg
b 2 In memoriam Pfarrer Werner Lauff 70 kg
c 3 Glockengiesserei Rincker – Sinn/Hessen 54 kg
c 4 Brigitte Halbach-Schmalz 17,5 kg
cis 3 Cantate domino canticum novum 45 kg
cis 4 Die Erde ist voll der Güte des Herrn - Psalm 33,5 17 kg
d 3 Soli deo gloria 42 kg
d 4 DIRO klingt es in die Welt 16,5 kg
dis 3 Laudate dominum omnis terra 38 kg
dis 4 Hermann Ulatowski 16 kg
e 3 Wenn's um Remscheid geht ... Sparkasse 38 kg
e 4 Ökumene – Alle sollen eins sein – Johannes 17,21 15 kg
f 3 Ursel Peiseler – Psalm 103,2 35 kg
f 4 Hoffnung – Freude – Leben 14,5 kg
fis 3 Kreisgemeinschaft Sensburg 2006 32 kg
fis 4 R.F.-B-A-C-H 14 kg
g 3 Danke sagt Familie G. Stehr 29 kg
g 4 Gertrud und Karl Picard 13 kg
gis 2 Zur Ehre Gottes von Detlef Franzen 91 kg
gis 3 Astrid & Anke Geier – Gott segne Euer Leben 26 kg
h 2 Eugen Moog Stiftung Remscheid 59 kg
h 3 Hans und Gisela Otter – 01.02.1997 19,5 kg
24 Bronzeglocken (ca. 72 % Kupfer und 28 % Zinn) 823,5 kg

Die Glocken der Remscheider Pfarrkirche (1312/1955)

Erstmals ist die Existenz von Glocken an der Remscheider Pfarrkirche durch die Nennung einer „Glöcknerin“, im Jahre 1312 in einem Verzeichnis des Stiftes Gerresheim nachweisbar. Genauere Kenntnis über die Glocken der Stadtkirche gibt es ab der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Pfarrer W. G. Schragmüller berichtete im Kirchenbuch, dass am 10. September 1727 zwei Glocken durch den Glockengießer Philipp Schweitzer aus Frankfurt gegossen worden seien. Im Jahr 1764 wurden drei neue Glocken gegossen, die die beiden Glocken von 1727 ersetzten. Eine der 1764 gegossenen Bronzeglocken mit dem Schlagton „e“ musste allerdings bereits im Jahre 1804 durch die Glockengießerei Rincker umgegossen werden und eine weitere im Jahr 1816 erneuert werden.

Die Reichskriegsverordnung vom 1. März 1917 sah die Beschlagnahme bronzener Glocken vor. Ausgenommen sollten nur historische und künstlerisch wertvolle Glocken sein. Ein Gutachten des damaligen Museumsdirektor Rudolf Roth aus Burg an der Wupper rettete 1917 alle drei Glocken der Remscheider Stadtkirche. Jedoch ereilte dann im 2. Weltkrieg aus Gründen der Kriegsmaterialbeschaffung die beiden jüngeren Glocken aus dem 19. Jahrhundert das Schicksal der Einschmelzung. Die ebenfalls abgegebene älteste und wertvollste Glocke von 1764 mit dem Schlagton „cis“ kehrte aber wieder nach Remscheid zurück. Zusammen mit zwei von der Glockengussanstalt Rincker gegossenen Bronzeglocken fand sie im Jahre 1955 den Weg zurück in den Turm der wiederaufgebauten Evangelischen Stadtkirche. Seitdem wird das Vollgeläut in „cis-e-fis“ von der größten der 1764 gegossenen Glocken bestimmt.

Fünf Jahrhunderte Tradition – Das Christliche Glockenspiel

Der Gebrauch von Glocken in christlicher Tradition begann in den altchristlichen Mönchsgemeinden. Die frühen Klöster benutzten Glocken als Zeitzeichen und Gebetsruf. Über die iro-schottischen Missionare gelangten Glocken im 6. Jahrhundert als Zeichen der Kirche und der Verkündigung des Evangeliums nach Deutschland und fanden Verbreitung als Zeitansage sowohl für das geistliche wie für das weltliche Leben. Mittelalterliche Handschriften oder Fresken zeigen uns auch bereits aus mehreren Glocken bestehende Glockenspiele; die Abbildungen stellen meist Glöckner oder Mönche dar, welche mit einem Hammer eine Glockenreihe anschlagen. Diese einfache Glockenspielkunst birgt schon den Grundgedanken unserer heutigen Glockenmusik.

Mit dem Einbau der mechanischen Turmuhren mit großem Räderwerk und schweren Gewichten seit dem 14./15. Jahrhundert wurde es möglich, die Zeitteilung der Uhr unter Ausnutzung der Kraft der Gewichte hörbar auf die Glocken zu übertragen. Die Tages- und Nachtzeit wurde zur vollen Stunde, später auch zur halben oder viertel Stunde durch den Glockenschlag geteilt. Zur Erhöhung der Aufmerksamkeit ließ man vom Glöckner oder über eine Walze auf drei bis vier Glocken eine kleine Melodie, Vorschlag genannt spielen, um die Zeitansage des Glockenschlags anzukündigen. Es wurden zunächst vier Töne und in der weiteren Entwicklung mehrere Oktaven gebräuchlich. Von der Vielzahl der Glocken (quadrillon) wird die heute gebräuchliche französische Bezeichnung Carillon abgeleitet. Der wachsende Reichtum aber auch das Bürgerbewusstsein erhöhten die Zahl der Glocken in den Türmen und damit die kunstvolle Ausweitung der Melodien. Es war dabei nur ein kleiner Schritt, die schon bekannte Traktur aus dem Orgelbau auf das Glockenspiel zu übertragen. Die Spieltrommeln wurden größer und die Vorschläge so ausgeweitet, dass sogar der Achtelstundenschlag seine eigene Melodie hatte. Die Melodie des Stundenschlags konnte einige Minuten dauern. Das Glockenspiel war auf die Türme gewandert und wurde als Musikinstrument weithin hörbar in der Stadt. Sein herrlicher Glockenklang kam zu den Menschen und begleitete das Arbeitsleben und die Feste.